Tschüss, Göteborg!

nachdem Göteborg heute genauso zu sein wird, wie gestern, habe ich mich einfach weiter auf die Reise gemacht. Natürlich erstmal gemütlich frühstücken und dann war ich kurz nach elf auch schon bereit zum Losfahren. Kein Problem, heute sind ja nur 105km – auf der direkten Route – geplant. Das Wetter ist wieder super und der Wind spielt sogar mit (teilweise Rückenwind!), dazu habe ich den Nordsee-Radwanderweg wieder gefunden und der ist echt viel schicker, als einfach nur an den großen Straßen entlang zu fahren. Da machten die fast 25km Umweg auch nix aus.
Was das Kattegattleden auf dem Schild bedeutet, weiß ich nicht. Aber das Fahrrad und die (1) ist wichtig.
endlich wieder ein Schild für den Nordsee-Radwanderweg
Und hier noch ein beispielhaftes Bild von der schon mal angesprochenen Radinfrastruktur hier. Alles schön getrennt und genügend Platz, sogar auf die Bordsteine wird auf der Radspur meist komplett verzichtet. Bei Kreisverkehren kommt es auch sehr oft vor, dass die Radspuren einfach in einem kleinen Tunnel unter der Straße geführt werden. Für Kinder, Alltags- und Reiseradler echt gut gemacht, nur mit dem Rennrad würde ich immer noch lieber die Straße nehmen.
Beispiel für die schwedische Rad-Infrastruktur
Irgendwo auf einem “Berg” (die heutige Strecke hatte eine maximale Höhe von 58m ü. NN) konnte ich links diese Aussicht genießen.
Ausblick nach links unten
Und rechts, in Richtung Küste, hat sich mir diese Aussicht geboten.
Ausblick nach rechts unten
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in Göteborg

wieder eine größere Stadt, daher hatte ich hierfür auch einen “Ruhetag” eingeplant. Weniger wegen der Ruhe, sondern eher, um mir die Stadt ein bisschen anzuschauen. Ich überlege mir noch, die Göteborg-City-Karte zu besorgen, entschließe mich dann aber dazu, doch nur ein/zwei Museen anzuschauen und es sich dafür gar nicht lohnt; die Museen hier sind relativ günstig.
Beim Kunstmuseum wundere ich mich noch darüber, dass es verschlossen ist und suche einen anderen Eingang – nix, es ist zu. Und es gibt kein Schild mit einer Erklärung.
Kunstmuseum, zu
Nagut, genieße ich halt kurz die Aussicht von dort, nachdem ich da unten in diesem “Urban Garden” auch schon mein Frühstück genossen habe.Kunstmuseum, Ausblick
Dann mache ich mich zurück auf den Weg ins Hostel um dort im Internet ein bisschen weiter zu recherchieren und sehe, wie gerade zwei Radler mit je einem solchen Rad angekommen sind. Es sind Prototypen und sollen angeblich super-bequem sein. Ich kann mir das zwar nicht so recht vorstellen, bin aber auch nicht Probe gefahren. Wer holländisch kann (oder google-translate vertraut), findet hier mehr Infos über diese Liegeräder von Vrijwiel.
ein interessantes Fahrrad-Konzept
Zurück zum Thema: Ich habe raus gefunden, dass hier aktuell Midsommer ist. Das Wochenende nach dem längsten Tag des Jahres wird hier in Schweden groß gefeiert. Und dann haben alle öffentlichen Gebäude, die meisten Läden und auch viele Restaurants zu. Tja, nachdem ich schon damals am Weihnachtstag in Melbourne war, wo es ähnlich gewesen ist, scheine ich hier wieder dieses Glück erwischt zu haben. Morgen ist das hier übrigens auch noch so….
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Regen

tja, früher oder später musste es ja passieren, trotz anders lautender Wettervorhersage. Heute hat es geregnet, so etwa die letzten 50km lang.
Die ersten etwa 60km musste ich fahren, ohne irgend etwas gegessen zu haben. Ausgesehen hat es hier in etwa so. Viele Wolken (viel Wind, nicht sichtbar) und wenig Zivilisation.
schwedische Landschaft vor dem Regen
In meiner Unterkunft gab es kein Frühstück (und auch gestern kein Abendbrot). Ich dachte, dass das schon nicht so schlimm sein wird, irgendwann kommt bestimmt ein Supermarkt. Der kam aber halt erst nach etwa 60km in einem Ort mit dem lustigen Namen Ellös. Davor kam noch etwas anderes und auch ganz neues: Fähren! Und das gleich dreimal recht nah hintereinander. Zum Glück fuhren diese alle 20min und waren dazu sogar noch kostenlos.
eine Fähre!
Nach dem Supermarkt-Besuch (1,75l O-Saft, drei Bananen, eine Birne, zwei Brötchen, ein Eis und ein ganzer Kuchen) lief die Fahrerei doch wieder etwas besser. Bis kurz vor dieser wiederum recht mächtigen Brücke “Tjörnbron“. Da hat es zum Regnen angefangen. Es ist ca. 50km nördlich von Göteborg, meinem heutigen Ziel.
mal wieder eine große Brücke
Ich fahre zwar die ganze Zeit an einer Bahnlinie entlang und dachte mir auch, dass ich in einen Nahverkehrszug einsteige, wenn ich überhaupt keine Lust mehr haben sollte. Aber zum einen ist da überhaupt gar kein Zug gefahren, in keine Richtung, und zum anderen war es mit meinem, noch kurz vor dem Urlaub gekauften, Regencape gar nicht so schlimm zu fahren. Klar, die Schuhe sind klatschnass (soweit habe ich noch nicht gedacht), und unter dem Cape ist auch eine ziemliche Sauna-Atmosphäre – aber was solls. Gerechnet hatte ich mit sowas eigentlich schon ab dem ersten Tag und dann auch mehr oder weniger täglich.

Die ganze Regenstrecke war nicht nur an einer Bahnlinie, sondern auch an einer Autobahn entlang. Und es war durchgängig Stau, 50km lang, von ca. 15:30 – 18:00. Mir unverständlich wie man seine Zeit so sinnlos in einem Auto stehend/sitzend wegschmeißen kann. Und das vermutlich täglich, denn es war kein Unfall oder ähnliches zu erkennen, was der Grund für den Stau hätte sein können.

So, zum Schluss noch ein Bild von Stein-Enten als Parkplatz-Trenner, die ich auf der heutigen Strecke gesehen habe. Mehr Bilder gibt’s nicht, beim Regen machts weder Spaß zu fotografieren noch ist es sinnvoll machbar, das Smartphone überhaupt zu benutzen.
Steinenten

nach/in Schweden

voller Energie nach dem Frühstück losgefahren, nur um nach wenigen Metern festzustellen, dass auf dieser Brücke in Fredrikstad eine Baustelle ist und Fahrräder daher verboten sind. Ich überlege mir noch, dieses Verbot einfach zu ignorieren, werde aber mit meinem breiten und schweren Rad sicherlich ein ziemliches Verkehrshindernis in der engen Baustelle sein. Also doch zurück und die Fähre suchen. Die fährt sogar alle 15min (Fahrzeit etwa 2min) und ist dabei noch kostenlos. Warum nicht gleich so?
Brücke in Fredrikstad
Die nächste Brücke, die ich auch nicht fahren darf, ist diese Autobahnbrücke. Dieser Fluss ist die Grenze zwischen Norwegen und Schweden.
der Grenzfluss mit der Autobahn-Brücke
Auf der parallelen “Landstraße”, die ebenfalls diesen Fluss quert, ist diese Tatsache auch groß und deutlich niedergeschrieben. Es gibt dort zwar auch noch die alten Zöllner-Häuschen, die sind allerdings gerade nicht in Benutzung – obwohl aktuell ja geraten wird, den Reisepass für die Grenzüberquerungen in Skandinavien mitzuführen.
Hier, wie fast überall anders auch, sieht man recht gut, dass Grenzen nur etwas mensch-gemachtes sind. Irgendwer denkt sich diesen Unfug aus und dann hauen sich andere die Köpfe deswegen ein. Besonders weit sind wir als Menschheit seit der Aufklärung noch nicht gekommen
Grenze: Norwegen - Schweden
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Richtung Süden

mit Oslo habe ich den nördlichsten Punkt meiner Reise erreicht, ab jetzt geht’s wieder zurück in den Süden. Heute steht nur eine Tour von etwa 100km an, daher habe ich davor noch etwas Zeit, bei bestem Wetter ein bisschen durch das “touristische” Oslo zu fahren. Ein Haupt-Bauwerk ist sicherlich die lokale Oper, die so aussieht.
die Oper in Oslo
Mit dem Fahrrad war es allerdings verboten, auf diesem “Dach” zu fahren.
Ich habe mir die Frage gestellt, warum in vielen Städten (bestens Beispiel Sydney) Oper-Gebäude solch einen Stellenwert haben, während der “normale” Bürger doch seltenst so eine Aufführung besucht?
Auf dem Bild kann man Kräne sehen, ganz Oslo ist eine Baustelle, sogar schlimmer als Stuttgart. Die Stadt ist seit der Jahrtausendwende um 30% gewachsen und der typische Stil ist “modern”, d.h. sehr viel Glas, ziemlich beliebig. Ich habe keine Ecke auf den paar besuchten Metern gesehen, die mir spontan zusagt hatte.
typischer Baustil in Oslo
Auch solche Versuche, Kunst in einen Hafenbereich zu bringen, haben mich nicht recht überzeugt. Also ab auf’s Rad und in den Süden!
Wandmalerei in Oslo
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in Oslo

nach der Wanderung vorgestern und der gemütlichen Tour gestern stand heute sogar ein kompletter Ruhetag an. Eigentlich war es eher als Erkundungstag in der Hauptstadt Oslo gedacht. Der Regen – aber vor allem eine riesige Blase am rechte Fuß – machte hier einen kleinen Strich durch die Rechnung. Dazu noch der ziemliche Muskelkater im Rücken und den Armen, der jede Bewegung zu einem kleine Tod macht (und nicht zu so einem, wie es die Franzosen mit dieser Beschreibung meinen).
Da heute Montag ist, haben viele Museen und Ausstellungen in Oslo geschlossen, und die “Außen-Aktivitäten” fallen bei mir wegen des Regens und des Fußes aus. Offen hat allerdings ein relativ kleines Museum, welches dem Friedensnobelpreis gewidmet ist. Im Erdgeschoss ist aktuelle eine Ausstellung über den “Gefährlichen Preis”, der 1936 unter (nicht nur diplomatischen) Verstimmungen an Carl von Ossietzky verliehen wurde. Der Name kam mir immer mal wieder unter (z.B. heißt die Uni in Oldenburg so), ich habe mich aber nie mit ihm beschäftigt. Das habe ich jetzt ausführlich nachgeholt – über die anderen Friedensnobelpreisträger werde ich bestimmt auch noch mal etwas lesen (müssen). Diese Ausstellung hat mich ziemlich ergriffen – von heute betrachtet war es damals einfach der pure Wahnsinn, negativ natürlich. Wie heutzutage irgendjemand mit einem winzigen Fünkchen Verstand sich diese Zeit zurückwünschen kann, ist mir völlig unverständlich.
Im oberen Stockwerk gibt es diese Ausstellung über alle bisherigen Friedensnobelpreisträger und sobald man vor solch einem Bildschirm steht, wird automatisch ein kurzer Absatz und ein Zitat von dieser Person/Institution angezeigt; alles in Englisch und Norwegisch.
im Friedensnobelpreismuseum
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Tag 4 – Wo sind die Schuhe?

nach gestern steht heute eine recht entspannte 85km Strecke nach Oslo an. Dort bleibe ich dann auch mal zwei Nächte am Stück. Nach dem Frühstück lasse ich noch alles recht langsam angehen, meine Startzeit ist 13:00. Das könnte ich eigentlich beibehalten. ;~)
Heute ist wieder bestes Wetter, wie man sehen kann (mal abgesehen vom Wind, aber den sieht man auf dem Bild ja nicht).
Tag vier, Impressionen
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